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Ein Buch, von dem man dreifach beschenkt wird
Man kann sich über die Parolen einer Eva Hermann ärgern, man kann darüber nachdenken, dass man ihr eigentlich ordentlich den Kopf samt Blondhaar waschen sollte … und man kann ihr auch die Aufmerksamkeit widmen, die ihr angemessen ist (nämlich gar keine) und statt dem fragwürdigen Eva-Prinzip ein Buch genießen, das es mehr als verdient hat. Dieses nämlich: „40 Fortysomethings“. Klingt hip, sieht auf den ersten Blick ein bisschen aus wie eine überteuerte „Vogue“ – und ist doch so viel mehr. Man beschenkt sich mit diesem Buch auf dreifache Art und Weise:
Erstens: Mit den Fotos! Gabo gehört zu den erfolgreichsten deutschen Fotografinnen. Obwohl alle Bilder deutlich ihre Handschrift tragen, ist doch jede Produktion sehr individuell. Hier wird nicht der Versuch gemacht, aus Frauen, die schon vierzig Geburtstage gefeiert haben, kecke Nymphchen zu machen, die jeden Tag sechs Liter Wasser trinken und deswegen taufrisch aussehen. Nein, man sieht, bei allem Glamour und aller Inszenierung, dass diese Frauen schon ein Leben gelebt haben, dass jede von ihnen Ecken und Kanten hat. Und gerade das verleiht ihnen mehr Charisma und Sinnlichkeit, als straffe Apfelbäckchen jemals ausstrahlen könnten.
Zweitens: Mit den Texten! Autorin Katja Volkmer präsentiert in ihren kurzen, prägnanten Texten starke Frauen – und dies auf eine Art und Weise, wie man es lange nicht mehr genießen durfte. Texte, die es mühelos schaffen, neben der Strahlkraft der Fotos nicht nur zu bestehen, sondern diese zum Teil gar in den Schatten zu stellen. Denn: Wo das Foto, bei aller Aussagekraft, doch immer nur eine Außenaufnahme bleiben kann, geht Volkmer einen Schritt weiter. Sie gewährt der zunehmend gefesselten Leserin einen intimen Einblick in das Leben dieser interessanten Frauen, ohne auch nur einmal Gefahr zu laufen, indiskret zu werden. Die Texte sind voller Gefühl und Wärme, einer unaufdringlichen Eleganz. Stärke und Verletzlichkeit gehen Hand in Hand. Das ganz große Gefühlskino, für das man nicht zwei Stunden im Lichtspielhaus, sondern nur ein paar Minuten auf dem heimischen Sofa sitzen muss. Man kann diese Miniaturen, die mehr Aussage und Nachhaltigkeit haben als mancher Roman, einzeln genießen wie ein exklusives Konfekt – oder an einem langen Nachmittag rauschhaft verschlingen wie einen Schokoladenkuchen.
Drittens: Mit der Gesamtaussage. Denn wo Frau Hermann lauthals brüllt – wohl sogar nur als Sprachrohr einer sich hinter ihr verbergenden Autorin – lächeln die „40 Fortysomethings“ dieses Bandes entspannt. Ohne Parolen, ohne Propaganda. Die in diesem Buch porträtierten Frauen haben es nicht nötig, sich zu produzieren. Sie leben ihr Leben, ganz einfach, selbstverständlich und ebenso bewusst.
Und es ist wirklich ein Geschenk, daran mit diesem Prachtband teilhaben zu dürfen. Unbedingt empfehlenswert für Frauen - und ganz sicher für Männer, die tolle Frauen lieben.